Der feine Unterschied (zwischen Zinsen und Dividenden)

 

Horaz: Immer etwas nachdenklich. Insgesamt kein Typ für Aktien

Aequam memento rebus in arduis
servare mentem, non secus in bonis
ab insolenti temperatam
laetitia, moriture Delli.[1]
 
Horaz, Oden 2,3
 

Niemand wusste über die Notwendigkeit, seine Emotionen zu kontrollieren, besser Bescheid, als die Römer. Der Gleichmut wird dort besungen wie sonst nirgendwo in der Antike. Gewiss finden sich auch bei den Griechen schöne Gedanken zu diesem Thema (insbesondere bei Thukydides), aber Verzweiflung oder Überschwang sind bei den Griechen sozial durchaus akzeptabel – was für die Römer überhaupt nicht zutrifft. Daher ist man bei der römischen Literatur am besten aufgehoben, wenn man mal tapfer sein muss. Weiterlesen

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Die 72 Tage der Kommune von Athen

 
J’y suis, j’y reste
Marschall Mac-Mahon
 

Die Euro-Krise ist dabei, sich in eine soziale Auseinandersetzung zu wandeln und damit eine neue Qualität zu bekommen. Sollte sich diese Tendenz in den nächsten zwei oder drei Monaten bestätigen und verfestigen, wäre die nächste Ausprägung der Krise deutlich schwerer zu reparieren als die letzte.

Sturz der Schäuble-Statue in Athen

Bislang standen eher die kulturellen Differenzen im Vordergrund (sparsame Protestanten gegen den lebensfrohen Rest der Christenheit), nun geht es aber ernsthaft ums Geld und das gibt der Krise eine neue Schärfe. Dazu ist es etwa folgendermaßen gekommen: In den 90er- und 00er-Jahren haben die großen westeuropäischen Banken bereitwillig an Griechenland (und die anderen Länder der „Peripherie“, Griechenland steht hier nur pars pro toto) Geld ausgeliehen, obwohl der Staat offensichtlich schlecht verwaltet war und das Land über seine Verhältnisse lebte (d.h. ein großes Leistungsbilanzdefizit hatte). Als das Kartenhaus im Jahr 2010 zusammenbrach, befanden sich die Banken in keinem guten Zustand – hatte der Staat sie doch erst 2008 nach der Lehman-Pleite stützen müssen. Die Bevölkerung in Europa hatte diese Bankenrettung nicht gut aufgenommen („Bankster!“, „Occupy!“), sodass die Regierungen sich für eine indirekte Rettung entschieden: Es wurde ein Rettungspaket für Griechenland nach dem anderen geschnürt (mit einem Gesamtvolumen von € 227 Mrd.), dessen Inhalt aber weitgehend an die Gläubigerbanken weitergereicht werden musste. Diese Kredite machen nun 125% der Wirtschaftsleistung Griechenlands aus (insgesamt liegt die Staatsschuld bei 175%). Von diesen Krediten flossen aber nur 11% in die Finanzierung staatlicher Aktivitäten. Der Rest floss mehr oder weniger direkt zurück an die westeuropäischen Geldgeber, um derentwillen die Pakete eigentlich geschnürt worden waren – und an die griechischen Banken und von dort aus weiß Gott wohin. Weiterlesen

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O Sancta Simplicitas!

 

Truth is ever to be found in simplicity, and not in the multiplicity and confusion of things. As the world, which to the naked eye exhibits the greatest variety of objects, appears very simple in its internal constitution when surveyed by a philosophical understanding, and so much the simpler by how much the better it is understood.
Isaak Newton

Schwierig und mühsam ist es, einfach zu leben.
Gontscharow, Oblomow Weiterlesen

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Oktober-Timing

 

Die Börse lebt mit den Jahreszeiten, nicht weniger als die Landwirtschaft. Sie hat ihre Bauernregeln („Sell in May and go away“), ihre gute Zeit (November bis April) und ihre Crash-Monate (September und Oktober). Man sollte die Analogie nicht überstrapazieren („Der dümmste Bauer erntet die dicksten Kartoffeln“), aber an einer Stelle ist sie profund und unübersehbar: Bauern und Börsianer versuchen sich in der Kunst der Vorhersage. Die Zeitungen entdecken zum Jahresende alte Bauern aus irgendwelchen Pfaffenwinkeln, welche die Fähigkeit besitzen, das Wetter im kommenden Jahr vorauszusagen. Und sie befragen die Analysten der bedeutenden Handelshäuser, wo DAX und Dow am Ende des nächsten Jahres stehen werden. Weiterlesen

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Was ist aus den “Fragile Five” geworden?

 

Im Mai 2013 fing es an: Die FED dachte laut über die Reduktion ihrer monatlichen Anleihekäufe nach, die Rendite 10-jähriger amerikanischer Staatsanleihen stieg innerhalb weniger Wochen von 2% auf 3% und China enttäuschte die Welt nicht nur mit schwachen Wachstumszahlen, sondern auch mit dem Verzicht auf weitere Investitionsprogramme (wie übrigens auch aktuell). Weiterlesen

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Salami-Timing

 

Altmeisterin der Salamitaktik

Oh diese elende Unsicherheit! Wird Putin nun scheibchenweise seine Nachbarn vertilgen, wird er das russische Reich in den Grenzen von 1914 wiederherzustellen versuchen und Krieg nach Europa bringen? Werden die gruseligen Schlächter vom „Islamischen Staat“ ihrer Presse gerecht und fegen uns und alle anderen Ungläubigen vom Angesicht der Erde? Wohin mit meinem lieben Geld in diesen elenden Zeiten, in denen nicht einmal mehr Gold (-33% seit dem Höhepunkt der Eurokrise) und Öl (-10% seit Jahresanfang) so reagieren, wie es der Situation allemal angemessen wäre? Doch wohl nicht in Anleihen, wo es keine Zinsen mehr gibt? Doch wohl nicht in Aktien, die gegen jede Vernunft schon so stark gestiegen sind, dass sich in jeder Hinsicht ein Gefühl von Schwindel einstellt? Frech grinst der DAX von der 10.000-Punkte-Marke. Also ausgeben? Spenden? Vergraben? Weiterlesen

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Eine Blase wäre das Beste

 

Youth fades, and leaves our days no longer sunny;
We tire of mistresses and parasites;
But oh, ambrosial cash! Ah! who would lose thee?
When we no more can use, or even abuse thee!

Lord Byron, Don Juan, 13. Gesang

Warum müssen Sektgläser immer halbleer sein?

Einhundert Ausgaben ist das Börsenblatt nun alt. Das ist eine runde Zahl, die zu besinnlicher Rückschau und rosigem Ausblick verleitet, zu starken Meinungen und Aussagen, vielleicht sogar zu sentimentalischen Faust-Zitaten (z.B. „Ihr glücklichen Augen, Was je ihr gesehen, Es sei, wie es wolle, Es war doch so schön.“) oder zu knackigen Lord-Byron-Zitaten (siehe oben). Jedenfalls ist sie aber Anlass zu einem erleichterten Seufzer im Gedenken an die umtosten Klippen, die es in den letzten 12 Jahren an den Finanzmärkten zu umschiffen galt – und die wir nicht nur mit Können, sondern auch mit Glück hinter uns gelassen haben.

Dennoch kommt bei mir keine Sektlaune auf. Das hat in erster Linie mit der Erfahrung zu tun, dass immer dann, wenn an den Finanzmärkten (und bei den Schreibern von Finanzmarktkommentaren) die Korken knallen, der nächste Absturz kurz bevorsteht. Wenn die Laune gut und die Stimmung entspannt ist, kommt immer etwas dazwischen. Und wer das 12 Jahre als Autor (und 16 Jahre als Marktteilnehmer) mitgemacht hat, ist immer misstrauisch, in guten wie in schlechten Tagen. Weiterlesen

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Die letzte Phase des Aktienmarktzyklus

 

Über die letzten Wochen häufen sich gute Nachrichten für die Finanzmärkte in einem Maße, wie es noch vor kurzer Zeit kaum vorstellbar gewesen wäre: In den USA hat die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse wieder das Niveau von 2008 erreicht; die EZB hat sich aus der ideologischen Umklammerung durch die Bundesbank befreit und betreibt jetzt erstmalig in ihrer Geschichte eine reflationäre und wachstumsorientierte Politik; und auch die politischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen, in der manch einer schon eine Neuauflage des Kalten Krieges oder sogar noch mehr gesehen hat, haben sich zumindest teilweise wieder gelöst.

Nicht umsonst haben der DAX mit 10.000 Punkten und der S&P 500 mit 1.950 Punkten neue Rekordstände verzeichnet. Die alte Börsenweisheit „Sell in May and go away“ wurde in diesem Jahr zu „Buy in May“. Aber auch an den Anleihemärkten herrscht Partystimmung: Die Rendite 10-jähriger französischer und spanischer Staatsanleihen war seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht mehr so niedrig und die Rendite 10-jähriger italienischer Staatsanleihen fiel auf den tiefsten Stand seit 1945. Wie lange wird diese Entwicklung wohl noch anhalten? Weiterlesen

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Das lose Ende der Peitsche

 

Wellen, das wissen wir noch aus der Schule, kommen in allerlei Gestalten andauernd in unserem Leben vor. Als Licht, als Radio, als Mikrowelle, oder, weniger praktisch, als kosmische Strahlung. Neben den elektromagnetischen Wellen gibt es noch die mechanischen Wellen: Schall, Wasserwellen oder, sehr unpraktisch, Erdbeben. Wellen lassen sich mathematisch meist gut berechnen. Weiterlesen

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Glück und Pech bei Spielern

 

Fondsmanager verstehen sich oft als Spieler, jedenfalls wenn man ihrer Sprache glaubt. In den Schlagzeilen der Finanzpresse ist sehr häufig zu lesen, wer auf was “wettet”. Quatar wettet auf die Wiederauferstehung der Deutschen Bank, Warren Buffett auf einen Boom im Eisenbahngeschäft in den USA, die Hedgefondsgemeinde auf steigende oder fallende Goldnotierungen. Weiterlesen

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