Die letzte Phase des Aktienmarktzyklus

 

Über die letzten Wochen häufen sich gute Nachrichten für die Finanzmärkte in einem Maße, wie es noch vor kurzer Zeit kaum vorstellbar gewesen wäre: In den USA hat die Anzahl der Beschäftigungsverhältnisse wieder das Niveau von 2008 erreicht; die EZB hat sich aus der ideologischen Umklammerung durch die Bundesbank befreit und betreibt jetzt erstmalig in ihrer Geschichte eine reflationäre und wachstumsorientierte Politik; und auch die politischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen, in der manch einer schon eine Neuauflage des Kalten Krieges oder sogar noch mehr gesehen hat, haben sich zumindest teilweise wieder gelöst.

Nicht umsonst haben der DAX mit 10.000 Punkten und der S&P 500 mit 1.950 Punkten neue Rekordstände verzeichnet. Die alte Börsenweisheit „Sell in May and go away“ wurde in diesem Jahr zu „Buy in May“. Aber auch an den Anleihemärkten herrscht Partystimmung: Die Rendite 10-jähriger französischer und spanischer Staatsanleihen war seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht mehr so niedrig und die Rendite 10-jähriger italienischer Staatsanleihen fiel auf den tiefsten Stand seit 1945. Wie lange wird diese Entwicklung wohl noch anhalten? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Makroperspektiven | Kommentare deaktiviert

Das lose Ende der Peitsche

 

Wellen, das wissen wir noch aus der Schule, kommen in allerlei Gestalten andauernd in unserem Leben vor. Als Licht, als Radio, als Mikrowelle, oder, weniger praktisch, als kosmische Strahlung. Neben den elektromagnetischen Wellen gibt es noch die mechanischen Wellen: Schall, Wasserwellen oder, sehr unpraktisch, Erdbeben. Wellen lassen sich mathematisch meist gut berechnen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Börsenblatt | Kommentare deaktiviert

Glück und Pech bei Spielern

 

Fondsmanager verstehen sich oft als Spieler, jedenfalls wenn man ihrer Sprache glaubt. In den Schlagzeilen der Finanzpresse ist sehr häufig zu lesen, wer auf was “wettet”. Quatar wettet auf die Wiederauferstehung der Deutschen Bank, Warren Buffett auf einen Boom im Eisenbahngeschäft in den USA, die Hedgefondsgemeinde auf steigende oder fallende Goldnotierungen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bemerkungen | Kommentare deaktiviert

Aktien für Putin

 
Mundum mutatu errore singillatim
Die Welt verändern, mit einem Fehler nach dem anderen
Motto der Library of Mistakes, Edinburgh

Thukydides (rechts) im Duell mit Herodot

Thukydides, mein bevorzugter politischer Autor, beschreibt den Weg in den Krieg als eine lange Abfolge von Beratungen, wer wessen Recht verletzt habe und wer nicht. Dabei lässt er keinen Zweifel, dass es sich dabei nur um den oberflächlichen Kriegsgrund handelt. In Wahrheit wollen beide Parteien den Krieg, getrieben von der Lust des starken Mannes an der Konfrontation, von allgemeiner politischer Verunsicherung und von der Ehrsucht der Völker. Sparta will die Expansion des Attischen Seebunds in Mittelgriechenland stoppen und Athen fühlt sich reich und mächtig und ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, seine Einflusssphäre auszuweiten und Gegner aus dem Weg zu räumen. Athen hält seine wirtschaftliche, kulturelle, politische und militärische Macht für unüberwindbar. Sparta grummelt und wartet auf eine Gelegenheit, Athen ein Bein zu stellen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Börsenblatt | Kommentare deaktiviert

Auf des Messers Schneide: Niedriginflation, aber keine Deflation

 

Seit Anfang März haben wir es schwarz auf weiß: Mario Draghi sieht keine Deflationsgefahr für die Eurozone. Obwohl die EZB bis 2016 eine Preissteigerungsrate von deutlich unter 2% prognostiziert und somit auch für die nächsten  Jahre unter ihrem selbstgesteckten Ziel liegen wird, reagiert sie bislang nur mit einem Schulterzucken. Wie ist dies zu erklären? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Makroperspektiven | Kommentare deaktiviert

Raum und Stillstand

 

Stagnation ist auch im Weltraum keine Option

Obwohl die Kosmologie schon lange keine philosophische Disziplin mehr ist, sondern spätestens seit Newton (der einige ganz lausige philosophische Auffassungen vertrat) ganz den Physikern überlassen wurde, ist dort keine Ruhe eingekehrt. Im Gegenteil, alle paar Jahre ändert sich die Mehrheitsmeinung über das Woher, das Wohin und den aktuellen den Zustand unserer Welt, was beim interessierten Laien die Vermutung nahe legt, dass es sich bei der Physik um eine nicht weniger spekulative Wissenschaft handelt als bei der Philosophie – nur die Vermarktung ist professioneller. Der Physiker kann seine Meinung – sehr zum Neid der Philosophen – mit bunten Formeln ausrechnen und mathematisch begründen und hat dadurch einen unbestreitbaren Vorsprung an Seriosität. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Börsenblatt | Kommentare deaktiviert

Caveat Emptor

 

Jedes Jahr aufs Neue erweist es sich, dass sich an den Finanzmärkten wenig, um nicht zu sagen: nichts, ändert.

Beklagten wir nicht in den Jahren 2008 und 2009, dass in der schönen Verpackung eines Immobilienkredits in den USA allerlei Ramsch und Schrott verkauft wurde, den die Banken nicht mehr auf den eigenen Büchern haben wollten? Schworen wir nicht, dies dürfe nie wieder passieren – uns erst recht nicht? Wollten wir nicht zukünftig solide und wertbeständig investieren, anständiger werden, rundum besser? Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bemerkungen | Kommentare deaktiviert

Die Meinung der Anderen

 

Das Börsenblatt ist einst entstanden, weil ein Kunde stets genau über den Zustand der Märkte informiert sein wollte unter Berücksichtigung des großen Ganzen der Zeitläufte. Also entstand das vorliegende Format, in welchem ich, möglichst weit ausholend, den Zustand der Finanzmärkte im Allgemeinen und – meist mehr angedeutet als ausbuchstabiert – die konkrete Umsetzung der Weltsicht in Kauf- und Verkaufsentscheidungen darlege. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Börsenblatt | Kommentare deaktiviert

Das Kreuz mit dem Konsens

 

Ich gebe ja zu, wir sind derzeit auch lieber in Aktien als in Anleihen investiert. Alle makroökonomischen Daten und Trends sprechen dafür und wirklich teuer sind Aktien noch nicht. Also gehen wir mit dem Trend. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bemerkungen | Kommentare deaktiviert

Eine Ahnung von Stagnation

 

In der Ideengeschichte unterscheiden wir zwischen zwei Arten von Denkern: Auf der einen Seite die esprits simplistes, welche davon ausgehen, dass es einfache Lösungen gibt für alle Arten von Problemen. Das beste Beispiel sind hier die Philosophen der Aufklärung, von Leibniz bis Voltaire. Ihnen stehen die Bedenkenträger gegenüber, im Extremfall vom Schlage eines Hamlet, welche einen Sinn für die Komplexität der Zusammenhänge haben und bei dem Gedanken, in einer undurchschaubaren Situation zu einer Ent-scheidung kommen zu müssen, schnell depressiv werden.[1] Weiterlesen

Veröffentlicht unter Börsenblatt | Kommentare deaktiviert